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Die Gau- Turnfeste

20. Gau-Turnfest in Grünberg, 1892

Schon sehr früh wurde der Turnverein mit der Durchführung von Großveranstaltungen betraut. Das 20. Turnfest des Gaues Hessen wurde unter reger Anteilnahme der Bevölkerung von dem Turnverein am 2., 3. und 4. Juli 1892 ausgerichtet. Sicherlich ein Zeichen des Ansehens, welches der Verein sich im Turngau mittlerweile erworben hatte, aber auch ein Zeichen der Akzeptanz der städtischen Bevölkerung.

Am 20. Mai 1900 führte die „Gau-Turnfahrt“ des Turngaues Hessen nach Grünberg. Dieses Treffen der hessischen Turner war mit geselligem Zusammensein und sportlichen Wettkämpfen: 1. Weitsprung, 2. Klimmen nach Zeit, 3. Steinstoßen (30 Pfund Kugelform), 4. Stabhochsprung verbunden. Der damalige Vorstand des Turnvereins, der die Einladung zu dieser Veranstaltung unterzeichnete, bestand aus folgenden Herren: Karl Hermann Jöckel (1. Sprecher), Friedrich Schröder (2. Sprecher), Heinrich Schmidt jun. (1. Turnwart), Heinrich Möser (2. Turnwart), Heinrich Schmidt sen. (Zeugwart), Philipp Kropp (Kassenwart), Heinrich Kaiser (Schriftwart), Konrad Zinser, Ludwig Stein.

 

Das 37. Gau-Turnfest fand am 2., 3. und 4. Juli 1910 in Grünberg statt.

So ein Gau-Turnfest war ein großes sportliches und gesellschaftliches Ereignis. Aus den noch vorhandenen Unterlagen wie zum Beispiel Quartierlisten, Festschrift, Zeitungsartikeln, Festreden usw., kann man erkennen, welches Großereignis diese Sportveranstaltung darstellte. Es war ein Fest im wahrsten Sinne des Wortes, die gesamte Bevölkerung nahm daran teil. Ein Festgottesdienst leitete das Turnfest ein, die Teilnehmer, die mit „Sonderzügen“ in Grünberg ankamen, wurden von der Feuerwehrkapelle empfangen und in die festlich geschmückte Stadt begleitet. Ein Festumzug fand statt. Für dieses Turnfest wurde eigens eine Festschrift kreiert, der man den enormen logistischen Aufwand, den der Verein betreiben musste, entnehmen kann. So mussten von den ca. 350 Teilnehmern wohl die Hälfte in  Privatquartieren untergebracht werden. Es gab neun Festausschüsse mit bis zu 46 Mitgliedern! (Bau- und Dekorationsausschuss). Beim Studium der Festschrift fällt auf, dass sich eine große Anzahl Grünberger Bürger für die zu leistenden Arbeiten zur Verfügung gestellt und Verantwortung übernommen hat. Vom Rektor der Realschule (Angelberger) und den Pfarrern angefangen, bis hin zu den Handwerkern und Arbeitern. Den festlichen Charakter unterstrichen mehrere Konzerte und abendliche Bälle. Von jenem Gau-Turnfest existiert eine Fotografie, auf welcher eine illustere, fröhliche Männergesellschaft, vermutlich Funktionäre und Wettkampfrichter, zu sehen ist. Die Gruppe posiert auf einem großen Holzgestell, eine Art Tribüne, welche auf dem Turnplatz hinter der Turnhalle errichtet wurde. Diese Fotografie  war in vielen Grünberger Haushalten als Wandschmuck zu finden, ein Fakt, welcher den Stellenwert dieser Vereinsveranstaltungen innerhalb der Bevölkerung widerspiegelt.

Nach dem 1. Weltkrieg führte der Turnverein weitere Sportveranstaltungen durch. 1919 wurde ein Bezirksturnfest abgehalten. Das nächste Großereignis war das 6. Gaufrauenturnfest im August 1926, auch eine sportliche Veranstaltung mit Festcharakter an der über 300 Turnerinnen teilnahmen. Die heimische Presse berichtete ausführlich darüber und der damalige erste Sprecher des Vereins, Lehrer Karl Wenzel, schrieb einen langen Artikel über die Entwicklung des Frauenturnens. Die Wettkämpfe waren ähnlich gegliedert wie beim Männerturnen. Es gab die Turnerinnen Ober- und Unterstufe und die Jugendturnerinnen Ober- und Unterstufe. Der Zehnkampf umfasste je eine Pflicht- und Kürübung am Reck, Barren und Pferd, ferner eine Freiübung, Ballwurf, 75m-Lauf und Hochsprung, beim Siebenkampf fielen die letzteren Übungen, die sogenannten „Volkstümlichen Übungen“, weg.

Einige Zeilen aus dem Grünberger Anzeiger vom 31. Aug. 1926 mögen dem Leser etwas vom Flair des damaligen Sportfestes vermitteln. „Turnwart Gehringer von Grünberg ließ seine Turnerinnen wirkungsvoll an drei Barren ihre Fertigkeiten entwickeln; Freiübungen auf reigenartiger Grundlage führte der Turnverein Nidda 1859 vor; … ein flotter Marsch der Feuerwehrkapelle Grünberg, die zur Unterhaltung des Abends fleißig beigetragen hatte, mahnte zum Heimgehen. Am Sonntagvormittag traten im Spätsommersonnenschein in 14 Riegen über 300 Turnerinnen auf dem geräumigen Übungsfeld bei der Turnhalle an und führten dort auf der nahen Käswiese, die für die volkstümlichen Wettkämpfe bereitgestellt war, flott und ohne Unfall ihre turnerische Aufgabe durch.

Unter den Klängen der Feuerwehrkapelle und des schneidigen Trommler- und Pfeiferkorps der Laubacher Turngemeinde bewegte sich am Nachmittag ein frisch-fröhlicher Werbeumzug durch die Stadt. ... Am Spätnachmittag überreichte der Gauturnwart den besten Siegerinnen die höchste Auszeichnung, die die Deutsche Turnerschaft zu vergeben hat, den schlichten  Eichenkranz mit einer Ehrenurkunde“.

Soweit der Grünberger Anzeiger.

Als weitere Veranstaltungen des Turnvereins sind noch das Frauenbezirksturnfest 1934, das erste Bezirks-Wettschwimmfest am 20. August 1933 (Plakat abgebildet auf Seite 46.) und ein im großen Rahmen durchgeführtes Gau-Turnfest im Jahre 1938 zu nennen.

Der Leser hat sicher längst bemerkt, dass sich die sportlichen Betätigungen im Verein an neuen Sportarten orientierten. Der politische und gesellschaftliche Umbruch nach dem 1. Weltkrieg zeigte auch im Bereich des Sportes seine Wirkung.

Eine Handballabteilung wurde 1930 gegründet, es existierte eine Fechtabteilung und nach dem Bau des Grünberger Freibades 1932 eine Schwimmabteilung. Leichtathletik wurde weiterhin im Rahmen der Turnerei durchgeführt. Das stark in Mode gekommene Fußballspiel wurde vom Turnverein nicht aufgenommen. Nach harten Auseinandersetzungen im Vorstand kam es zum Bruch zwischen den alten Mitgliedern des Vereins und den Anhängern des Fußballsportes. Er führte zur Gründung des Fußball-Clubs 1926. Bereits 1920 kam es zur Gründung eines Vereines dem „Sportverein 1920“. Dieser scheint aber nicht lange existiert zu haben. Am Ende der 20er Jahre erfolgte noch die Gründung des „Freien Sportvereins“, so dass für einige Jahre in Grünberg drei Vereine existierten, in denen sportliche Betätigungen ausgeübt werden konnten. Auf politischen Druck hin kam es 1937 zu einer Fusion der drei Vereine.

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